Die Phasen
der ERP-Implementierung

Bevor ein ausgewähltes ERP-Programm „live“ gehen kann, müssen einige wichtige Schritte durchgeführt werden. Hierzu zählen unter anderem

Dabei unterscheidet man zwischen der klassischen und agilen Vorgehensweise.

Schrittweise Implementierung des ERP-Programms

Ist der richtige ERP-Anbieter gefunden, der Sie bei der Auswahl der ERP-Lösung erfolgreich beraten und unterstützt hat, geht es an die Implementierung. Diese wird in mehrere Schritte unterteilt, die ausgeführt werden müssen, damit das ERP-System ohne Einschränkungen und mit dem gewünschten Nutzen funktionieren kann.

Phasen der ERP-Implementierung

Das Lastenheft – der Anfang jeder ERP-Implementierung

Im Laufe des Auswahlprozesses für das geeignete ERP-Programm wurde in den meisten Fällen bereits ein entsprechendes Lastenheft erstellt, das die Anforderungen und Wünsche aller Abteilungen an die neue IT-Systemlösung beinhaltet. In diesem Schritt können die definierten Prozesse noch einmal angepasst und geändert werden. Um ein möglichst großes Optimierungspotenzial auszuschöpfen, ist es hilfreich, sich nicht allzu sehr auf den Ist-Zustand der Geschäftsabläufe zu konzentrieren, sondern vielmehr auf Lösungsansätze:

Wie sollen die Geschäftsprozesse zukünftig im neuen ERP-System abgebildet werden?

Sofern das Lastenheft von allen Beteiligten abgenommen wurde, erstellt der ERP-Anbieter ein sogenanntes Pflichtenheft. Darin enthalten sind alle für die ERP-Implementierung auszuführenden Aufgaben, wie z.B. die Anpassung des Programms.

Die Testversion der ERP-Software

Für einen reibungslosen Ablauf bei der ERP-Einführung ist es unerlässlich, ein Testsystem, das dem zukünftigen ERP-System sehr nahekommt, zu installieren. Um sich möglichst früh mit dem Thema ERP vertraut machen zu können, sollten alle Mitarbeiter bereits Zugriff auf die Testsoftware haben. Zudem ist dieser Abschnitt der ERP-Implementierung extrem wichtig, um potenzielle Schwachstellen und Hindernisse noch vor der eigentlichen Live-Schaltung zu erkennen und zu beheben. Gerade in der Testphase wird sich herausstellen, ob alle Prozesse und Aspekte berücksichtigt wurden oder ob seitens des Anbieters noch Optimierungsbedarf besteht. Optimal genutzt werden kann die ERP-Testversion, wenn sie über firmenspezifische Daten verfügt. Im Anschluss an die Testphase wird die eigentliche ERP-Software eingerichtet und je nach Bedarf und definierten Anforderungen angepasst.

Datenaufbereitung für das neue ERP-System

Da das zukünftige ERP-System Ihres Unternehmens gewisse Daten als Grundlage benötigt, müssen zuerst alte Daten aus den vorherigen Systemen aufbereitet, gepflegt und erweitert werden. Dafür bereitet der ERP-Anbieter die entsprechenden Daten in einem bestimmten Format auf und übergibt diese dann den zuständigen Anwendern zur Pflege und Erweiterung. Dieser Schritt der ERP-Implementierung kann sehr zeitaufwendig werden und sollte bei der ERP-Planung nicht unterschätzt werden. Häufig werden auch nur grundlegende Stammdaten wie Kontaktdaten, Kundenstämme, Artikel, Lieferanten und Stücklisten übernommen. Ist die Datenpflege abgeschlossen, kommt es zu einer eingehenden Schulung der verantwortlichen Mitarbeiter.

ERP-Einführung: Mitarbeiterschulung

Bei der Schulung für das ERP-Programm haben Unternehmen die Möglichkeit, entweder alle Mitarbeiter daran teilnehmen zu lassen oder sich auf die Schulung von zuvor festgelegten sogenannten Key-Usern zu konzentrieren. Sind nur die Key-User an diesem Prozess beteiligt, können zwar die Kosten in gewisser Weise etwas gesenkt werden, gleichzeitig kann es allerdings auch zu einem höheren internen Zeitaufwand kommen. Grund hierfür ist, dass das Wissen, das in den ERP-Schulungen erworben wurde, an die Kollegen weitergegeben werden muss. Hilfreich sind in dem Fall genaue Dokumentationen der vermittelten Informationen sowie Screenshots zur besseren Veranschaulichung. Zusätzlich kann der ERP-Anbieter mit informativen Schulungsunterlagen und Prozessdokumentationen für alle Mitarbeiter bei der internen Wissensvermittlung unterstützen. Sobald die Anwender bzw. die Mitarbeiter das OK geben, sich ausreichend geschult fühlen und alle Abläufe präzise dokumentiert wurden, ist dieser Teil der ERP-Implementierung abgeschlossen. Nun folgt der Datenimport, der anschließend noch auf Richtigkeit und Vollständigkeit überprüft werden muss.

Live-Schaltung des ERP-Programms

Erst wenn alle oben aufgeführten Schritte erfolgreich abgeschlossen wurden, kann die neue ERP-Software erstmalig in Betrieb genommen werden. Dabei wird empfohlen, das alte System vollständig abzuschalten. Ansonsten laufen Sie Gefahr, dass vereinzelte Mitarbeiter eventuell an der gewohnten Software festhalten, was für die Nutzung des neuen ERP-Systems natürlich nicht zielführend wäre. Bei der Live-Schaltung und auch der ersten Zeit danach ist es zudem sehr wichtig, dass sowohl Key-User als auch die Verantwortlichen des ERP-Anbieters dem restlichen Personal mit Rat und Tat zur Seite stehen.

Was müssen Anwender bei der Einführung eines ERP-Programms beachten?

Die Anwender sollten sich bereits vor der Einführung auf das neue ERP-Programm einlassen, um ein unternehmensweit zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen. Außerdem ist es ratsam, sich an den Leitlinien und Dokumentationen des Anbieters sowie dem ausgearbeiteten Lastenheft zu orientieren.

Neues ERP-Programm: Offenheit für den Projekterfolg

Bei der Planung und Einführung einer neuen ERP-Lösung kommt es in vielen Betrieben bei den betroffenen Mitarbeitern zu einem gewissen Unmut. Zum einen hat sich das altbewährte System in den Köpfen des Personals etabliert – zum anderen sind sie alltägliche Abläufe gewohnt, die jetzt plötzlich umstrukturiert werden sollen. Das führt häufig zu Konfliktsituationen im Unternehmen. Angestellten ist daher anzuraten, sich dem ERP-Projekt gegenüber offen zu zeigen und der neuen Software-Umgebung eine Chance zu geben. Folglich ist es auch die Aufgabe von Geschäftsleitung, ERP-Anbieter und Key-Usern, alle späteren Anwender des ERP-Programms schon frühzeitig in die Planungen einzubeziehen und mit dem System vertraut zu machen. Zeigen Sie Ihrem Personal die Vorteile des ERP-Programms für den Unternehmenserfolg auf und wie es den Arbeitsalltag für die Mitarbeiter erleichtert.

ERP-Einführung: Gut Ding will Weile haben!

Wie bei jeder anderen IT-Lösung braucht auch die Umsetzung eines ERP-Systems Zeit, um den gewünschten Erfolg zu erzielen und allen Anforderungen gerecht zu werden. Zwar müssen Sie bereits im Voraus alle notwendigen Funktionen, Module und Anforderungen an das ERP-System genau definieren und möglichst präzise Prozesse festlegen. Dennoch funktioniert die Umstellung auf das neue Programm nicht über Nacht. Es nimmt einiges an Zeit in Anspruch, bis sich wirklich alle Anwender mit der neuen ERP-Software vertraut gemacht haben. Stellen Sie sich zudem darauf ein, dass es auch noch nach Monaten, teilweise sogar Jahren, zu Unstimmigkeiten oder technischen Herausforderungen kommen kann, die erneut angepasst werden müssen. Was den zeitlichen Rahmen betrifft, sollten also die Erwartungen aller Beteiligten nicht zu hoch angesetzt werden. Damit ein geeignetes ERP-System effektiv funktioniert und entsprechend bedient wird, braucht es Zeit, Geduld und jede Menge Know-how sowie eine intensive Schulung von Mitarbeitern und Key-Usern.

Pflege der ERP-Datenbank

Um den vollen Nutzen aus einem ERP-System zu ziehen, ist es besonders wichtig, dass alle Daten ordnungsgemäß eingegeben und regelmäßig gepflegt werden. Denn auch eine Unternehmenslösung wie ein ERP-Programm ist immer nur so gut wie die Bedienung durch die User. Bei fehlenden oder falschen Daten kann keine vollumfängliche Produktivitätssteigerung durch das ERP-System erwartet werden. Achten Sie daher darauf, dass die Software immer mit den neusten und aktuellsten Daten versorgt wird, um einen reibungslosen Ablauf zu garantieren.

Enge Zusammenarbeit während der ERP-Implementierung

Alleingänge sind bei einem derart großen Projekt wie der Einführung eines neuen ERP-Systems nicht möglich und zudem überaus kontraproduktiv. Anwender, Key-User, Geschäftsleitung sowie Anbieter und Schulungsleiter sollten daher so eng wie möglich zusammenarbeiten. Nur so kann gemeinsam ein effektives ERP-System etabliert werden – zum Vorteil des gesamten Unternehmens. Bei Problemen der Mitarbeiter oder technischen Schwierigkeiten sollte immer das Gespräch gesucht und für eine ganzheitliche Lösung gesorgt werden.

Die ERP-Testphase wird oft unterschätzt

Ein weiterer Faktor, der keinesfalls unterschätzt werden sollte, ist die Testphase des ERP-Programms. Selbst wenn alle Prozesse präzise definiert und festgelegt wurden, kann es bei der ERP-Testversion immer noch zu Unstimmigkeiten und Optimierungsbedarf kommen. Zwar gibt es individuelle ERP-Lösungen, die möglichst exakt auf die jeweilige Branche zugeschnitten werden können, doch selbst dann ergeben sich in den meisten Fällen noch Anpassungen. So wird für viele Unternehmen häufig erst im Nachhinein die Bedeutung einer detaillierten Prozessanalyse deutlich.

ERP-Customizing

Sinn und Zweck von ERP-Systemen ist es, die Geschäftsprozesse eines Unternehmens so effizient wie möglich zu unterstützen. Hierfür muss der Betrieb aber erst einmal in der Unternehmenssoftware abgebildet werden. Das heißt, es müssen entsprechend individuelle Anpassungen in der Software vorgenommen werden. Das Customizing nicht zu berücksichtigen und somit auf ein starres ERP-System zurückzugreifen ist nur dann sinnvoll, wenn Ihre Geschäftsprozesse über Jahre hinweg konstant und unverändert bleiben.

Mittlerweile ist es üblich, ERP-Anwendungen in Form und Umfang selbst festzulegen und zu administrieren. Dieser Trend wird als ERP-Customizing bezeichnet. Konkret versteht man darunter die Möglichkeit, ERP-Systeme an die firmenspezifischen Anforderungen und Bedürfnisse verschiedenster Industrien anzupassen. Durch diese Automatisierung profitieren Sie in Ihrem Betrieb zudem von mehr Effizienz und Kostenvorteilen.

Anforderungen und Systemvoraussetzungen

Die aktuellen Anforderungen an ERP-Systeme und ERP-Software sind hoch. In den letzten Jahren standen ERP-Anbieter vor der Herausforderung, immer leistungsfähigere Anwendungen im Bereich Enterprise-Ressource-Planning zu entwickeln. Damit Sie später einwandfrei mit Ihrem ERP-System arbeiten können, ist eine fehlerfreie Installation im Zuge der ERP-Einführung zwingend erforderlich. Um eine reibungslose ERP-Implementierung zu gewährleisten, müssen verschiedene Anforderungen und Systemvoraussetzungen erfüllt werden.

Was Sie bei der ERP-Installation beachten sollten

Die Installation von ERP-Software ist in den meisten Fällen ziemlich komplex und aufwendig. Zahlreiche ERP-Systeme auf dem Markt basieren heute auf dem sogenannten Client-/Serverprinzip. Das bedeutet, sie weisen eine mehrschichtige Software-Architektur auf, wodurch sich der Installationsprozess wiederum aus verschiedenen Komponenten zusammensetzt:

  • Datenbank (Datenhaltung)
  • Applikation (eigentliche ERP-Anwendung)
  • Front-Ends (Präsentation der Daten bzw. User Interface)

In der Praxis müssen Sie somit die entsprechenden Software-Komponenten auf jedem Arbeitsplatzrechner installieren, welcher als Client auf das ERP-System zugreifen soll.

In der Regel wird der Installationsprozess einer Standard-ERP-Software von einem speziellen Setup-Programm gesteuert. Das Setup-Programm übernimmt folgende Aufgaben:

  1. Es kopiert die einzelnen Dateien in die jeweiligen Verzeichnisse.
  2. Es sorgt auf Betriebssystemebene für die nötigen Eintragungen.

Sollte während der Installation ein Fehler auftreten, ermöglichen die speziellen Setup-Programme außerdem ein Roll-back (Rücklauf) der Installation.

Welche Voraussetzungen muss das Betriebssystem Ihres PCs erfüllen?

Bereits vor der eigentlichen Implementierung prüfen die meisten Installationsprogramme, ob die IT-Landschaft Ihres Unternehmens überhaupt für die neue ERP-Software geeignet ist. Neben der Hardware-Ausstattung ist hierfür in erster Linie das aktuell im Unternehmen verwendete Betriebssystem ausschlaggebend.

Verwenden Sie ein aktuelles Betriebssystem, sollte dieses in der Regel leistungsfähig genug sein, um die Installation eines modernen ERP-Systems zu unterstützen. Mithilfe von administrativen Berechtigungen haben Sie außerdem die Möglichkeit, das ERP-Programm auf unterschiedlichen Betriebssystemen zu verwenden. Das bedeutet, Sie können Ihre Business-Software auf Windows, Apple Mac oder Linux nutzen. Um von einer bestmöglichen Benutzererfahrung und den hohen Anforderungen an das ERP-System zu profitieren, sollte grundsätzlich die neueste Version Ihres jeweiligen Betriebssystems installiert sein.

Immer mehr ERP-Provider bieten ihre Lösungen mittlerweile als betriebssystemunabhängige Webdienste in der Cloud an. Hiermit können Sie…

  • mit jedem beliebigen Betriebssystem
  • ohne Installation
  • unkompliziert über Ihren Webbrowser

direkt auf Ihre Daten zugreifen.

Schaublid zur betriebsunabhängigen Nutzung von Cloud-ERP

Cloud-ERP-Lösungen laufen somit nicht nur auf Windows-Rechnern, sondern ebenso auf Geräten mit den Betriebssystemen macOS oder Linux. Sie können die Lösungen schnell und einfach auf jeder Plattform bedienen.

Welche ERP-Schnittstellen und Anbindungsmöglichkeiten gibt es?

Unternehmen haben oftmals hohe Erwartungen und eine ganze Reihe an unterschiedlichsten Anforderungen an ein ERP-System. Eine zentrale Rolle spielen zum Beispiel besondere Schnittstellen (APIs) zwischen der ERP-Lösung und anderen wichtigen Anwendungen. Solche ERP-Anbindungen sind beispielsweise immer dann erforderlich, wenn mehrere Programme innerhalb des Betriebes verwendet und Daten untereinander ausgetauscht werden müssen.

Aktuelle ERP-Schnittstellen gibt es zum Beispiel für folgende Bereiche:

  • Elektronischer Datenaustausch (z. B. DATEV oder ELSTER)
  • E-Commerce- und Online-Shop-Anbindungen
  • Elektronischer Zahlungsverkehr
  • Betriebsdaten- und Personalzeiterfassung

Damit können die zahlreichen ERP-Provider auf dem Markt leistungsstarke Systeme zur Verfügung stellen, welche den Anforderungen an ERP-Systeme absolut gerecht werden.

ERP-Einführung – die klassische und agile Vorgehensweise

Bei der Einführung einer neuen ERP-Software haben Unternehmen und ERP-Anbieter verschiedene Möglichkeiten: Das System kann auf dem klassischen Wege integriert und nach eingehender Analyse und Planung umgesetzt werden. Alternativ wird auf eine „agile“ Variante gesetzt, indem die Umsetzungsphase sukzessive eingeleitet, schrittweise analysiert und angepasst wird.

Was bedeutet klassische ERP-Implementierung?

Die meisten Unternehmen entscheiden sich bei der Einführung eines ERP-Systems für die klassische Variante. Hierbei erfolgen zunächst die genaue Prozessanalyse und die Organisation der Umsetzung. Nach eingehender Analyse und der Feststellung von etwaigem Optimierungsbedarf der Geschäftsprozesse wird die künftige ERP-Software genau auf die Anforderungen und Bedürfnisse des Unternehmens angepasst (Customizing). Erst danach erfolgt die vollständige Umstellung auf die neue ERP-Software.

Die einzelnen Phasen der klassischen ERP-Einführung im Überblick:

  • Vorbereitende und organisatorische Maßnahmen
  • Eingehende Prozessanalyse (Lastenheft)
  • Bestimmung des Ist-Zustands des Unternehmens
  • Festlegung entsprechender Optimierungen
  • Auswahl geeigneter Module und Funktionserweiterungen
  • Testphase mit vorläufiger ERP-Testversion
  • Umstellung des gesamten Unternehmens auf das neue System
  • Schulung der Mitarbeiter

Mögliche Probleme oder eventuell notwendige Änderungen werden meist erst während der Test- und Umstellungsphase sichtbar. Der Umstand, dass nach der Implementierung noch einiges geändert oder verbessert werden muss, zieht nicht nur eine weitere Bearbeitung nach sich, auch die Kosten können hierdurch rapide ansteigen.

Die Realisierung dieser Änderungen an der Software gestaltet sich meist schwierig und umständlich. Dennoch verfolgen die meisten Unternehmen nach wie vor gerne den Weg dieses sogenannten „Wasserfallsystems“, da die recht einfache Struktur des ERP-Projekts für sie im Vordergrund steht. Viele sehen sich erst nach einem bestimmten Zeitraum mit der Tatsache konfrontiert, dass das genaue Optimierungspotenzial doch nicht unbedingt zu Beginn der Planungsphase klar war und vollumfänglich genutzt wurde.

Was bedeutet agile ERP-Einführung?

Aufgrund der genannten Problematik bei der klassischen ERP-Einführung wurde jahrelang an einer Option gearbeitet, potenzielle Probleme und Lösungsansätze schon frühzeitig zu erkennen. So entstand unter anderem die agile ERP-Implementierung. Diese Einführungsart ist zwar genauso gut strukturiert wie die klassische Einführung eines ERP-Systems, bietet allerdings eine gewisse Flexibilität, um auf problematische Faktoren so schnell wie möglich reagieren zu können.

So lässt sich die ERP-Software nicht nur schrittweise anpassen und verbessern, auch die Mitarbeiter profitieren von einem besseren Verständnis. Schließlich wird ihnen die Softwarelösung nicht im Ganzen zugemutet. Sie können sich auf diese Weise vielmehr mit den einzelnen Umsetzungsphasen vertraut machen und zeitgleich die Nutzerfreundlichkeit der ERP-Software testen.

So könnte eine agile Einführung z. B. aussehen:

  • Vorbereitung und grobe Planung des ERP-Projekts
  • Konzepterstellung und Prozessanalyse
  • Aufteilung der einzelnen ERP-Abschnitte (z. B. nach Abteilungen)
  • Planungs-, Test- und Umsetzungsphase einzelner Bereiche / Abteilungen
  • Anpassung der jeweiligen Abschnitte des ERP-Systems aufgrund der Rückmeldungen der Nutzer
  • Finale ERP-Integration für das ganze Unternehmen

Erst wenn alle Abteilungen für sich in den jeweiligen Teilschritten entschieden haben, dass keine Optimierungen mehr nötig sind und die ERP-Software als Ganzes stimmig ist, wird das System endgültig firmenweit „live“ geschaltet. Gerade für kleinere ERP-Projekte ist die agile Einführung eine gute Lösung. Nur so ist es möglich, alle Beteiligten sukzessive an das neue System heranzuführen und mögliche Problemstellen schon frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.

Unterschied zwischen klassischer und agiler ERP-Implementierung

Bei einem klassischen ERP-Projekt versucht man in erster Linie schon zu Beginn der Planung alle möglichen Risiken und Eventualitäten mit einzuberechnen. Nach Systemfreischaltung sind spätere Anpassungen und Optimierungen meist nicht vorgesehen.

Genauso strukturiert wie das klassische Modell läuft auch die agile Methode ab. Bei dieser Vorgehensweise sind Änderungen und Anpassungen der ERP-Software jedoch jederzeit möglich und auch durchaus vorgesehen, um spätere Überraschungen zu vermeiden.

Beide Modelle sind sich zwar ähnlich – wem die Risiken zu Beginn eines neuen ERP-Systems jedoch nicht zu 100 Prozent klar sind, kann diese durch eine agile ERP-Einführung zumindest auf ein Minimum reduzieren und falls nötig noch rechtzeitig eingreifen.

Was ist ein ERP-Lastenheft?

Ein ERP-Lastenheft bildet die zentrale Basis für die Auswahl des zukünftigen ERP-Systems. In ihm werden alle Anforderungen an die Softwarelösung möglichst detailliert aufgeführt und beschrieben.

Das Lastenheft: Die Voraussetzung für eine reibungslose ERP-Einführung

Bevor überhaupt eine Entscheidung über den richtigen ERP-Anbieter getroffen werden kann, ist die Erstellung eines ERP-Lastenheftes elementar. Das Lastenheft bildet die Grundlage für eine spätere und vor allem erfolgreiche ERP-Implementierung. Darin werden alle wichtigen Anforderungen beschrieben, die das jeweilige Unternehmen an das zukünftige ERP-System sowie dessen Anbieter hat. Nur so kann die richtige Wahl getroffen werden.

Zu Beginn des ERP-Auswahlprozesses werden Sie Gespräche mit den unterschiedlichsten ERP-Anbietern führen, die wiederum neue Erkenntnisse ans Tageslicht bringen. Ergänzen Sie daher Ihr Lastenheft um jeden Punkt, der für die spätere Umsetzung von Bedeutung sein könnte. Sobald ein geeigneter ERP-Anbieter feststeht, werden die einzelnen Punkte im Lastenheft abgearbeitet. Zudem wird besprochen, wie die jeweiligen Punkte im Lastenheft zielführend umgesetzt werden können.

Darauf kommt es beim ERP-Lastenheft an

Schon vor der Erstellung eines ERP-Lastenheftes sollten Sie sich Gedanken darüber machen, welche Inhalte und Informationen berücksichtigt werden müssen. Hier ein paar hilfreiche Tipps für einen erfolgreichen ERP-Start:

Checkliste: Tipps zur Erstellung eines ERP-Lastenhefts

Legen Sie den Fokus auf die Prozesse

Um herauszufinden, welche ERP-Funktionen und Module für Ihr Unternehmen am besten geeignet sind, müssen die internen Geschäftsprozesse und Arbeitsabläufe klar sein und entsprechend im Lastenheft festgehalten werden. Die Funktionen, die für die zukünftige ERP-Software benötigt werden, ergeben sich dann fast automatisch aus den definierten Anforderungen. Wenn Sie sich ausschließlich auf den Soll-Zustand konzentrieren, vergessen Sie womöglich den ein oder anderen Workflow. Das führt bei der späteren ERP-Implementierung zu unnötigen Anpassungen.

Achten Sie darauf, dass die Chemie stimmt

Nicht nur die im ERP-Lastenheft definierten Informationen müssen möglichst präzise ausfallen, auch die Beziehung zwischen ERP-System-Anbieter und Kunde muss passen. Da die Zusammenarbeit erfahrungsgemäß über mehrere Jahre dauern wird, kann ein bestmöglicher Projekterfolg nur dann erzielt werden, wenn sich beide Seiten auf einer Wellenlänge befinden und alle Punkte offen kommunizieren.

Denken Sie in Projekten

Noch bevor der erste Schritt in Richtung ERP-System getan wird, müssen sich alle Beteiligten darüber im Klaren sein, dass es sich bei der Einführung eines neuen ERP-Programms um ein großes Projekt handelt, welches wiederum aus mehreren kleinen Projekten besteht. So ist die Auswahl einer passenden ERP-Software ein eigenständiges Projekt, welches zuerst abgeschlossen werden muss, bevor das nächste Projekt – die ERP-Implementierung –  gestartet werden kann.

Priorisieren Sie: Was muss und was kann?

Um nicht nur den zeitlichen Rahmen einzuhalten, sondern auch die Kosten auf ein Minimum zu beschränken, sollten Sie bei der Festlegung der Anforderungen genau überlegen, welche Funktionen Sie unbedingt benötigen und welche eher ein nettes Beiwerk darstellen. Kategorisieren Sie alle Anforderungen in wichtige und weniger wichtige Punkte, die auch zu einem späteren Zeitpunkt umgesetzt werden können. Stellen Sie zudem sicher, dass auch die Standardfunktionen in das Lastenheft integriert werden. Denn dieses bildet nicht nur die Basis für Ihr ERP-System, sondern ist sogar ein vertraglicher Bestandteil für die spätere Zusammenarbeit mit dem ERP-Anbieter.

Formulieren Sie das Lastenheft so kurz und präzise wie möglich

Viele ERP-Lastenhefte neigen dazu, einen Umfang von weit mehr als 100 Seiten anzunehmen. Einer der häufigsten Gründe hierfür ist, dass Unternehmen sich bei der Auswahl von ERP-System und Anbieter zu Beginn noch sehr unsicher sind. Ob die Länge und das Ausmaß eines hundertseitigen Lastenheftes jedoch schlussendlich zielführend sind, sei dahingestellt. Von Experten wird empfohlen, das Lastenheft möglichst überschaubar zu halten und dennoch alle notwendigen Anforderungen an das ERP-System so präzise wie möglich zu beschreiben und bei Bedarf zu ergänzen.

Lassen Sie das Lastenheft von allen Fachabteilungen prüfen

Damit die Erstellung des ERP-Lastenheftes nicht überhandnimmt und trotzdem alle wichtigen Daten und Informationen enthält, ist es wichtig, das Lastenheft vor der Weiterleitung an den möglichen Anbieter prüfen zu lassen. Die zuständigen Fachabteilungen bzw. deren Key-User können dabei helfen, unnötige Features zu streichen oder das Lastenheft um wesentliche Aspekte und Anforderungen zu ergänzen. Erst wenn alle Punkte geprüft wurden, sollte das Thema Lastenheft abgeschlossen werden.

Fazit: Um das anstehende ERP-Projekt zielführend und erfolgreich umzusetzen, ist ein ERP-Lastenheft unumgänglich und ein entscheidender Faktor für die weiteren Schritte. Dabei sollte auf einen allzu umfangreichen Fragenkatalog verzichtet und stattdessen der Fokus auf die realen und wichtigen Anforderungen des Unternehmens an die Software gelegt werden.

Die häufigsten Fehler bei der Lastenheft-Erstellung

Grundsätzlich sollte ein ERP-Lastenheft ein flexibel anpassbares Dokument darstellen, das jederzeit geändert und ergänzt werden kann. Auch die Einbeziehung aller Mitarbeiter und verantwortlichen Abteilungen wird oft unterschätzt.

Als wichtigstes Fundament dient das Lastenheft in erster Linie dazu, die Prozesse des Unternehmens im Ist-Zustand zu definieren und dadurch potenzielle ERP-Systeme herausfiltern zu können. Da es sich für viele Firmen bei der Wahl der richtigen ERP-Software sowie eines zuverlässigen und kompetenten ERP-Anbieters um eine regelrechte Mammut-Aufgabe handelt, geschehen häufig Fehler, die sich bei entsprechender Vorbereitung durchaus vermeiden lassen.

Fehlende Gespräche mit den Mitarbeitern

Zwar gibt es gewisse Punkte, die ausschließlich von der Geschäftsleitung in Zusammenarbeit mit dem ERP-Anbieter festgelegt werden können, doch zur Erreichung eines optimalen ERP-Systems sind die Mitarbeiter und einzelnen Abteilungen unverzichtbar. Jede Fachabteilung ist für sich auf den jeweiligen Bereich im Unternehmen spezialisiert und weiß, auf welche Arbeitsabläufe und Prozesse es bei der täglichen Arbeit ankommt. Eine persönliche Befragung der Mitarbeiter mag den zeitlichen Rahmen für das Projekt in die Länge ziehen, führt aber eher zum Erfolg als eine allgemeine Umfrage per E-Mail.

Die Anwender in den einzelnen Abteilungen wissen zudem am besten, welche Funktionen sie benötigen und worauf sie besser verzichten könnten. Schließlich sind sie es, die später mit dem neuen ERP-Programm tagtäglich arbeiten. Auf diese Art und Weise nimmt das Lastenheft Gestalt an und sogenannte Nice-to-Have-Features, die im Endeffekt doch nicht gebraucht werden, können herauskristallisiert und vermieden werden.

Es werden Lösungen statt Anforderungen definiert

Bei einem Lastenheft kommt es zunächst darauf an, die Geschäftsprozesse zu definieren und nicht zeitgleich die passenden Lösungen dafür zu finden. Das dürfen weder die Projektverantwortlichen noch die befragten Mitarbeiter vergessen. In erster Linie ist es wichtig, die einzelnen Anforderungen zu bestimmen, wie z.B. Rohstoffe zu bestellen oder diese in die Produktion einfließen zu lassen. Auf welche Weise die jeweiligen Anforderungen dann im ERP-System abgebildet werden, wird erst wesentlich später entschieden. Legen sich die Beteiligten zu früh auf das „Wie“ fest, kann es passieren, dass effektive und passende ERP-Softwarelösungen von vornherein ausgeschlossen werden. Und das nur deshalb, weil sie über Funktionen verfügen, die nicht den vorgeschlagenen Vorstellungen entsprechen. Das Lastenheft sollte daher zunächst das „Was“ behandeln, also welcher Prozess abgebildet werden muss. Dass „Wie“ kann zu einem späteren Zeitpunkt gemeinsam mit dem ERP-Anbieter entschieden werden. Andernfalls kommt es unbeabsichtigt zu einer Einschränkung bei der Systemauswahl.

Das ERP-Lastenheft als statisches Dokument

Wichtig ist, dass Sie Folgendes bedenken: Das ERP-Lastenheft ist keinesfalls ein statisches Dokument, das erstellt wird und danach in Stein gemeißelt ist. Ganz im Gegenteil. Es bildet die Grundlage für weitere Entwicklungen in Bezug auf das anstehende ERP-Projekt. Sobald Sie mit Ihrem ERP-Anbieter die einzelnen Punkte im Lastenheft durchsprechen, wird Sie dieser auf weitere Anhaltspunkte aufmerksam machen, die im Lastenheft unter Umständen ergänzt werden müssen. Es unterliegt praktisch einer ständigen Weiterentwicklung. Meist sind nach den ersten Gesprächen weitere Recherchen im Unternehmen notwendig, um fehlende oder unzureichend definierte Prozesse genauer unter die Lupe zu nehmen und entsprechend im ERP-Lastenheft nachzutragen. Damit Sie und auch Ihr ERP-System-Anbieter stets über den gleichen Informationsstand verfügen, sollten Sie auch ihn bei jeder anfallenden Änderung informieren.

Fazit: Wird das große Projekt „ERP-Einführung“ unter allen Beteiligten offen kommuniziert und gemeinsam an einer für das Unternehmen bestmöglichen Lösung gearbeitet, können zahlreiche Fehler bereits bei der Erstellung des Lastenhefts vermieden werden.

Was ist ein ERP-Pflichtenheft?

Das ERP-Pflichtenheft stellt die Antwort des ERP-Anbieters auf das von Ihnen eingereichte Lastenheft dar und schildert dessen Vorschläge zur Umsetzung Ihrer Anforderungen an das neue ERP-System.

Wie entsteht ein Pflichtenheft?

Nachdem Sie das ERP-Lastenheft zusammen mit allen Verantwortlichen erarbeitet haben, wird es an die potenziellen ERP-Anbieter verschickt. Diese stellen ein sogenanntes Pflichtenheft zusammen, das sich an den Anforderungen Ihres Lastenheftes orientiert. Sobald Sie sich für einen Anbieter entschieden haben, starten die gemeinsamen Workshops der Implementierungsphase. Hier werden alle im Lastenheft definierten Prozesse noch einmal final geprüft, um alle möglichen Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. So entsteht durch den Anbieter des ERP-Programms nach und nach das finale ERP-Pflichtenheft, in dem die voraussichtliche Umsetzung Ihrer Anforderungen detailliert aufgelistet sind.

ERP Lastenheft vs. Pflichtenheft

Ist das ERP-Pflichtenheft zu umfangreich?

Falls Sie von Ihrem ERP-Anbieter ein Pflichtenheft erhalten, das weit mehr Angaben und Vorschläge enthält, als das Lastenheft ursprünglich vorgesehen hatte, dann lehnen Sie die Ideen nicht direkt ab. Schließlich ist der ERP-Anbieter der Profi, der schon viele Erfahrungen mit anderen Unternehmen gesammelt hat. Es kommt durchaus vor, dass Unternehmen neue Anregungen bekommen, die sie bei der Erstellung des Lastenheftes nicht berücksichtigt haben.

Wenn Ihnen also Ihr ERP-Anbieter einige Features vorschlägt, die den ein oder anderen Prozess systemtechnisch automatisieren, könnte das für Ihr Unternehmen durchaus von großem Vorteil sein. Hier werden möglicherweise mehrere Funktionen durch nur einen Knopfdruck abgelöst. Können Sie jedoch aus dem umfangreichen Pflichtenheft auf den ersten Blick keinen Nutzen für Ihre Firma ziehen, besprechen Sie Ihre Bedenken mit dem Anbieter und lassen Sie sich seine aufgeführten Änderungen anhand von Beispielen erklären.

Übereinstimmung von ERP-Pflichtenheft und Lastenheft überprüfen

Gerade wenn es um das Pflichtenheft geht, sollten Sie genau hinschauen. Denn manchmal kann es sein, dass die beschriebene Anforderung von der Umsetzungslösung im Ergebnis abweicht. Das passiert beispielsweise dann, wenn wir etwas für selbstverständlich halten und für andere nicht deutlich genug ausformulieren. Damit es bei der Kommunikation zwischen ERP-Anbieter und Ihnen als Anwender nicht zu unnötigen Verständnisschwierigkeiten kommt, definieren Sie Ihre Anforderungen an das ERP-System so genau und konkret wie möglich. Und zwar so, dass im Idealfall auch Unbeteiligte verstehen würden, was Sie meinen. Außerdem sollte ein Pflichtenheft nie abgenommen werden, ohne es geprüft zu haben. Stellen Sie sicher, dass die Lösungsvorschläge für die ERP-Software mit den Anforderungen im eingereichten Lastenheft übereinstimmen.

7 Gründe für das Scheitern von ERP-Projekten

Die Gründe für ein Scheitern einer ERP-Implementierung sind sehr vielfältig. Meist hängen auch mehrere Faktoren wie fehlende Kompetenz, falsch ausgewählte Software oder die Angst der Mitarbeiter vor etwas Neuem zusammen und können unweigerlich zu einem Scheitern der ERP-Einführung führen.

7 Gründe: Warum scheitern ERP-Projekte?

1. Erfolgloses ERP-Projekt: Die Angst der Mitarbeiter vor Kompetenzverlust

In einem Unternehmen sind die Rollen klar verteilt und jede Abteilung erfüllt ihre Aufgaben. Demnach verfügt jeder Mitarbeiter über bestimmte Kompetenzen, die sich von anderen Abteilungen und Funktionen in der Firma unterscheiden. Durch die Einführung eines ERP-Systems werden diese zuvor abgegrenzten Bereiche miteinander verbunden. Viele Angestellte, die mit einer neuen und unternehmensübergreifenden Softwarelösung konfrontiert werden, befürchten die Kontrolle über ihren Zuständigkeitsbereich zu verlieren.

Geschäftsprozesse und Informationen, die früher über umständliche Dienstwege abgefragt werden mussten, werden durch ein ERP vereinfacht und können zentral im System eingesehen werden. Verständlich, dass der ein oder andere Mitarbeiter Angst um die eigene Kontrolle und Kompetenz bekommt. Dieser Umstand führt nicht selten zu Differenzen zwischen Kollegen oder Abteilungen, sodass Konflikte nahezu vorprogrammiert sind. Diese wiederum können negative Auswirkungen auf den Erfolg eines ERP-Projekts haben. Auch der Verlust bisheriger Insellösungen und IT-Software, die bis dato gut funktionierte und die den Mitarbeitern geläufig war, wird gefürchtet. Es gibt jedoch hilfreiche Maßnahmen, mit denen Sie solchen Umständen vorbeugen können:

    • den Mitarbeitern die Vorzüge eines ERP-Systems für den eigenen Arbeitsbereich nahebringen und ihnen somit die Angst vor Veränderung nehmen
    • transparenter und offener Umgang mit der geplanten ERP-Einführung
    • Kommunikation und Problemlösung innerhalb der Firma

2. Mangelnde Kompetenz im ERP-Projekt

Ob auf Abteilungs- oder Firmenebene – bei einem geplanten ERP-Projekt sollten Sie auf jeden Fall dafür sorgen, dass alle Mitarbeiter entsprechend geschult werden. ERP-Schulungen sind eine wichtige Voraussetzung dafür, dass das ERP-System erfolgreich eingeführt wird und alle Vereinbarungen in die Tat umgesetzt werden. Um das zu gewährleisten, müssen sowohl Angestellte als auch Führungskräfte verstehen, was die neue ERP-Lösung kann und wie genau alle firmeninternen Geschäftsprozesse zusammenhängen. Erst dann ist es möglich, das ERP-System effizient zu nutzen und von den Vorteilen zu profitieren. Ohne die nötige Kompetenz kann ein ERP-System nicht zielgerecht umgesetzt werden. Die Schulung und das Verständnis für neue Arbeitsabläufe sollten daher unbedingt an erster Stelle stehen oder zumindest eine sehr hohe Priorität haben.

Voraussetzungen für eine funktionierende ERP-Einführung:

      • Inhalte und Umgang mit ERP vermitteln
      • regelmäßige und umfangreiche Schulungen des Personals
      • Bestimmung eines Projektteams für Kernaufgaben

3. Flache Hierarchien bei der ERP-Planung

Viele Unternehmen und Geschäftsführer setzen mittlerweile auf flache Hierarchien. Jeder Mitarbeiter hat hier die Möglichkeit, sich mit neuen Ideen und Vorschlägen in Projekten einzubringen. Bei einer so bedeutenden Angelegenheit wie der Einführung eines ERP-Systems können flache Hierarchien jedoch auch das Vorankommen bremsen.

Ein ERP-Projekt ist eine ziemlich große Herausforderung und bedeutet, dass gewisse Ziele in einem bestimmten Zeitrahmen umgesetzt werden müssen. Wenn nun jeder Angestellte während der Planungsphase seine Vorschläge mit einbringt, kann sich bereits die Planung als Zeitfresser herausstellen. Einführung und Umsetzung des ERP-Systems werden somit unnötig in die Länge gezogen. Das kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Daher sollten Sie auf unnötige Meetings verzichten und klare Entscheidungen treffen, auch wenn in diesem besonderen Fall nicht alle Mitarbeiter berücksichtigt werden. Wägen Sie gut ab, welche Mitarbeiter in welche Entscheidungen einbezogen werden müssen. Nur so kann der Zeitplan der ERP-Einführung eingehalten werden.

4. Fehlerhafte Prozessanalyse bei der ERP-Auswahl

Bevor die Wahl auf ein bestimmtes ERP-Programm fällt, muss eine sorgfältig dokumentierte Prozessanalyse durchgeführt werden. Auf diese Weise können Sie vermeiden, dass Sie sich für ein ERP-System entscheiden, das nicht zu Ihrem Unternehmen passt und im schlimmsten Fall nicht alle Prozesse abbildet. Durch solch eine Fehlentscheidung können nicht nur enorme Kosten entstehen, Sie müssen womöglich mit der Einführung einer ERP-Lösung noch einmal von vorn beginnen. Formulieren Sie also alle Ihre Anforderungen an das neue ERP-System klar aus und dokumentieren Sie alle Erkenntnisse entsprechend. Ihr Lastenheft sollte alle Geschäftsprozesse berücksichtigen.

5. Unzureichende Zuständigkeiten

Folgende Faktoren können dazu beitragen, dass selbst ein gut durchdachtes und geplantes ERP-Projekt durchaus in der Lage ist zu scheitern:

      • Zu viele Leute wollen mitentscheiden und spezielle Aufgaben übernehmen.
      • Die Zuständigkeiten sind nicht klar definiert.
      • Es kommt zu einem heillosen Durcheinander bei der Umsetzung des ERP-Projekts, da niemand weiß, welche Funktion er hat.

Damit bei der ERP-Implementierung kein Chaos entsteht, ist es umso wichtiger, klare Verantwortlichkeiten festzulegen und Aufgaben entsprechend zu verteilen. Sind die Zuständigkeiten innerhalb des Unternehmens eindeutig definiert, weiß jeder Mitarbeiter was zu tun ist und für welchen Aufgabenbereich er verantwortlich ist. Diese Vorgehensweise spart nicht nur Nerven, sondern auch Zeit und Geld.

6. Fehler bei der Zeitplanung von ERP-Projekten

Neben einer intensiven Schulung der Mitarbeiter und der genauen Analyse der Workflows ist es wichtig, den Zeitrahmen für die Einführung eines neuen ERP-Systems nicht zu unterschätzen. Wird die Zeit für einzelne Planungs- und Integrationsabschnitte zu knapp bemessen, kann es zu deutlichen Verzögerungen kommen. Da sich auch die internen Abläufe mit der Zeit verändern können, muss die Prozessanalyse in einem solchen Fall vielleicht sogar von vorne beginnen. Um dem vorzubeugen, können Sie Folgendes tun:

  • Legen Sie einen realistischen Zeitplan fest.
  • Definieren Sie Teilabschnitte der Umsetzung.
  • Realisieren Sie das ERP-System Schritt für Schritt im Unternehmen.

7. Wie externe Berater ein ERP-Projekt zum Scheitern bringen können

Ein Vergleich verschiedener ERP-Anbieter ist unumgänglich. Denn nur so können Sie herausfinden, welche Software am besten zu Ihrem Unternehmen passt. Meist wird Ihnen auch automatisch ein erfahrener Berater zur Seite gestellt, der Sie bei der Entscheidung für das richtige ERP-System unterstützt. Dabei machen jedoch viele Unternehmen den Fehler, diesem Berater auch wichtige unternehmerische Entscheidungen zu überlassen. Zwar kennen sich ERP-Berater bestens mit dem eigentlichen System aus und ihnen sind auch die Standardabläufe in Unternehmen geläufig, das letzte Wort sollten jedoch Sie haben. Denn nur das Management und die Projektverantwortlichen kennen die Details der betriebsinternen Prozessketten, die dem ERP-Berater womöglich nicht auffallen. Und das kann später richtig teuer und zeitintensiv werden. Dann wird nämlich versucht, kleine oder große Fehlentscheidungen durch schrittweise Anpassungen und Nachbesserungen zu beheben, was in den seltensten Fällen zum Erfolg führt.
Fazit: Damit Ihr ERP-Projekt gelingt, müssen alle Rädchen des großen Unternehmenszahnrads ineinandergreifen. Alle Mitarbeiter müssen zusammen am Erfolg der neuen Software arbeiten. Kommt es zu Unstimmigkeiten untereinander oder werden falsche Entscheidungen getroffen, kann selbst ein gut durchdachtes ERP-System zusammenbrechen und scheitern.

Brauche ich zwingend einen ERP-Berater?

Da die ERP-Einführung eine große Herausforderung für Ihr Unternehmen und Ihre Mitarbeiter darstellt, sollten Sie sich in jedem Fall von einem kompetenten ERP-Berater unterstützen lassen, um die für Sie passende Softwarelösung zu finden.

Was sind die Aufgaben eines ERP-Beraters?

Ein ERP-Berater ist ein Experte, der mit dem Bereich des „Enterprise Resource Planning“ bestens vertraut ist. Dieser kann Sie dahingehend beraten, welche ERP-Systemlösung für Sie bzw. Ihr Unternehmen infrage kommt. Zu den Hauptaufgaben eines ERP-Beraters gehören in erster Linie:

  • Analyse der Geschäftsprozesse in Ihrem Unternehmen
  • Entwicklung eines geeigneten Systementwurfs
  • Beratung der Geschäftsleitung während der Planungsphase
  • Unterstützung bei der Einführung des ERP-Systems im Unternehmen – inklusive entsprechender Module
  • Testläufe nach der Prozessanalyse, um die ERP-Lösung auf ihre Funktionalität und potenzielle Mängel zu überprüfen

Eine enge Zusammenarbeit mit einem ERP-Berater ist außerdem überaus sinnvoll und ratsam, da er dank seiner Erfahrung die Tauglichkeit Ihrer Geschäftsprozesse für ein mögliches ERP-System abschätzen und Sie bezüglich einer notwendigen Prozess-Optimierung unterstützen kann.

Wie sieht die Unterstützung durch einen ERP-Berater aus?

Im Normalfall arbeitet ein ERP-Berater nicht nur mit der Geschäftsführung zusammen. Er steht auch mit den verantwortlichen Mitarbeitern, den sogenannten Key-Usern, in Verbindung und bespricht die Vorgehensweise der geplanten ERP-Implementierung mit den zuständigen IT-Fachleuten. Zudem kümmern sich ERP-Berater um die Unterweisung und Schulung des Personals und stehen bei etwaigen Problemen und Rückfragen zur Verfügung.

Da der Berater in diesem Fachbereich ausgebildet ist, stehen Sie mit der ERP-Integration nicht alleine da. Somit haben Sie stets einen kompetenten Ansprechpartner an Ihrer Seite, der so lange alle Optionen eines ERP-Systems mit Ihnen gemeinsam durchgeht, bis eine passende Lösung für Ihr Unternehmen gefunden ist. Die Erfahrung zeigt, dass es eine gewisse Zeit dauert, bis sich ein neues ERP-System komplett eingespielt hat und optimal funktioniert. Auch hier wird Ihnen ein ERP-Berater mit Rat und Tat zur Seite stehen: von der Planung bis zur Umsetzung und in der Zeit nach der Einführung. Müssen im Nachhinein eventuelle Nachbesserungen vorgenommen werden, ist es die Aufgabe des ERP-Anbieters, in Zusammenarbeit mit Ihrem Berater dafür zu sorgen, dass alles reibungslos umgesetzt wird.

Woran erkennen Sie einen kompetenten ERP-Berater?

Ein gut ausgebildeter und professionell agierender ERP-Berater besitzt sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen:

  • In der Regel verfügt er über ein betriebswirtschaftliches Studium – im besten Fall mit Fokus auf Wirtschaftsinformatik.
  • Er muss eine breite Palette an Fachexpertise und Know-how im Bereich ERP bieten und sich mit den wichtigsten ERP-Systemen auf dem Markt inklusive ihrer Schnittstellen und Module auskennen.
  • Auch Kenntnisse in Sachen Projektmanagement und Prozessanalyse sind erforderlich, um Ihnen eine bestmögliche Beratung anbieten zu können.
  • Sein Fachwissen wird durch ein hohes Maß an Team- und Koordinationsfähigkeit ergänzt, um mit Geschäftsleitung und allen Abteilungen konstruktiv und erfolgreich zusammenarbeiten zu können. Nur mithilfe der Organisation eines ERP-Beraters kann die Einführung eines produktiven ERP-Systems auch die gewünschten Erfolge haben.
  • Je nachdem welchem Wirtschafts- oder Industriezweig Ihr Unternehmen angehört, sollte ein ERP-Berater auch über die jeweiligen Branchenkenntnisse verfügen.

Die Entscheidungsmacht liegt nicht beim ERP-Berater

Das Hinzuziehen eines kompetenten ERP-Beraters kann für Sie von großem Nutzen sein. Dennoch sollten Sie alle unternehmerischen Entscheidungen entweder selbst oder nach gemeinsamer Absprache mit Ihrem Berater treffen. Er berät und unterstützt Sie zwar bei der Realisierung Ihres ERP-Projekts und den damit verbundenen Betriebsabläufen – die Verantwortlichkeit für das Unternehmen und dessen zukünftiger Erfolg liegen jedoch in erster Linie in Ihrer Hand.

Geben Sie keinesfalls die gesamte Verantwortung an einen externen Berater ab. Sie und Ihre Mitarbeiter kennen die Firma bis ins kleinste Detail und sollten somit auch alle wichtigen Entscheidungen besprechen, abwägen und schließlich selbst fällen.

Finden Sie einen unabhängigen ERP-Berater

Selbst wenn Sie bereits einen Favoriten in Hinsicht auf Ihr zukünftiges ERP-System haben oder Ihnen eine Empfehlung vorliegt, sollten Sie sich nicht allzu schnell festlegen. Am besten suchen Sie nach einem unabhängigen ERP-Berater, der nicht auf bestimmte Hersteller festgelegt ist oder für solche auf Provision arbeitet. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Bedürfnisse und Anforderungen Ihres Unternehmens im Vordergrund stehen und ein exakt stimmiges ERP-System gefunden wird, das später auch fehlerfrei funktioniert.